Beratung bei Trennung und Scheidung
Beratung Scheidung

Scheidung

1. Die einvernehmliche Scheidung

Man spricht von einer einvernehmlichen Scheidung, wenn beide Ehegatten sich darüber einig sind, dass sie sich scheiden lassen möchten und auch über die Folgesachen eine Einigung erzielt haben oder erzielen wollen. In diesem Fall kann es ausreichend sein, wenn nur ein Ehegatte einen Anwalt beauftragt, der das Scheidungsverfahren bei Gericht beantragt. Eine Scheidung ohne gerichtliches Scheidungsverfahren ist in Deutschland nicht möglich.

2. Wann kann die Scheidung eingereicht werden? Voraussetzung für die Einreichung der Scheidung

Die Scheidung kann man einreichen, sobald das Trennungsjahr kurz vor der Vollendung steht, also z.B. bereits 10 Monate nach der Trennung.

Außerdem ist in besonderen Fällen eine Härtefallscheidung möglich, bei der das Trennungsjahr nicht eingehalten werden muss. Die Härtefallscheidung ist jedoch auf wenige Ausnahmefälle (z.B. Gewaltvorfälle in der Ehe, Alkoholabhängigkeit, Drogensucht, Arbeitsaufnahme als Prostituierte nach der Trennung u.a.) beschränkt und beinhaltet auch die Hürde, dass das Vorliegen des Härtefalls von dem Ehegatten nachgewiesen werden muss, der sich darauf beruft. In diesem Fall kann es sein, dass vor Gericht eine Beweisaufnahme stattfinden muss, die zusätzliche Zeit beansprucht und auch das Risiko mit sich bringt, dass der Nachweis möglicherweise nicht gelingt und der Scheidungsantrag aus diesem Grund – kostenpflichtig - abgewiesen wird.

Ferner kann es sein, dass die Scheidung erst möglich ist, wenn die Ehegatten 3 Jahre getrennt leben. Dies ist jedoch auf seltene Ausnahmefälle beschränkt. Welcher Fall auf Sie zutrifft muss in einem ausführlichen Beratungsgespräch geklärt werden. In den meisten Fällen kann die Scheidung durchgeführt werden, wenn die Ehegatten 1 Jahr oder annähernd ein Jahr räumlich und wirtschaftlich getrennt gelebt haben.

3. Wie ist der Ablauf der Scheidung?

Einreichen des Scheidungsantrags

Die Scheidung wird vom Anwalt bei Gericht eingereicht, indem der Scheidungsantrag dem Gericht übersandt wird. Anschließend wird der Scheidungsantrag dem anderen Ehegatten vom Gericht zugestellt.Ist der andere Ehegatte anwaltlich vertreten, so erfolgt die Zustellung an den anderen Anwalt. Zwischen der Einreichung und der Zustellung liegen ca. zwischen 1 – 3 Wochen. Eine feste Frist für die Zustellung ist gesetzlich nicht vorgesehen und hängt vom Arbeitsablauf des zuständigen Familiengerichts ab.

Formulare für den Versorgungsausgleich

Beide Ehegatten erhalten sodann vom Gericht die Formulare zur Durchführung des Versorgungsausgleichs zugeschickt. Diese Formulare sind von beiden Ehegatten auszufüllen und an das Gericht zurückzuschicken. Das Gericht gibt die Formulare weiter an die Versorgungsträger, damit diese die Rentenansprüche, die in der Ehezeit entstanden sind, ermittelt werden können. Sobald die Rentenansprüche von den Rententrägern (Deutsche Rentenversicherung u.a.) ausgerechnet wurden, macht das Gericht eine vorläufige Berechnung zum Versorgungsausgleich und setzt anschließend einen Scheidungstermin fest.

Scheidungsfolgen

Über die Scheidungsfolgen wie z.B. nachehelicher Ehegattenunterhalt, Kindesunterhalt, Zugewinnnausgleich sollten sich die Ehegatten im Vorfeld des Scheidungstermins einigen und hierüber entweder eine notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung treffen oder im Scheidungstermin eine Vereinbarung abschließen. Sofern dies nicht möglich ist, muss darüber nachgedacht werden, ob die Folgesachen nicht gerichtlich geltend gemacht werden sollten (z.B. Antrag auf nachehelichen Unterhalt). Für die Geltendmachung von Folgesachen bei Gericht ist ein eigener Anwalt erforderlich.

Scheidungstermin

Zum Scheidungstermin werden beiden Ehegatten vom Gericht geladen, grundsätzlich ist das persönliche Erscheinen vorgeschrieben. In Ausnahmefällen kann das Gericht vom persönlichen Erscheinen absehen und es genügen lassen, dass die Ehegatten schriftlich erklären, dass sie geschieden werden wollen und in dieser Erklärung auch Angaben zum Trennungszeitpunkt machen. Ebenfalls verlangt das Gericht eine Vorlage des Ausweises in Kopie, um die Staatsangehörigkeit zu überprüfen. Im Scheidungstermin wird die Scheidung vom Gericht ausgesprochen.

Rechtskraft der Scheidung

Die Scheidung wird allerdings erst rechtskräftig, sobald die Rechtsmittelfrist von 1 Monat ab Zustellung des Scheidungsbeschlusses abgelaufen ist. Danach erhalten beide Ehegatten noch einen rechtskräftigen Scheidungsbeschluss mit dem dann z.B. eine Namensänderung beim Standesamt möglich ist.

4. Wie lange dauert das Scheidungsverfahren?

Das Scheidungsverfahren dauert mindestens 3-6 Monate, denn dies ist die Zeit, die für die Bearbeitung der Rentenansprüche benötigt wird. Sofern kein Versorgungsausgleich durchgeführt wird, weil beide Ehegatten darauf verzichten, kann das Scheidungsverfahren beschleunigt durchgeführt werden. In diesen Fällen wir nach dem Eingang des Antrags bei Gericht gleich ein Scheidungstermin vom Gericht festgelegt.

5. Was sind die Folgesachen im Scheidungsverfahren?

Das Gericht führt von Amts wegen im Scheidungsverfahren den Versorgungsausgleich durch. Alle weiteren Folgesachen müssen von den Beteiligten beantragt werden, dies bedeutet, dass der Ehegatten-Unterhalt nicht vom Familiengericht geklärt wird, es sei denn dies wird beantragt. Folgesachen können der nacheheliche Unterhalt sein, weiter der Zugewinnausgleich. Auch die Auseinandersetzung der ehelichen Haushaltsgegenstände oder die weitere Nutzung der Ehewohnung können als Folgesache im Rahmen der Scheidung bei Gericht beantragt werden.

6. Mit welchen Kosten muss man rechnen? Scheidungskosten online berechnen

Die Kosten des Scheidungsverfahrens richten sich nach dem Verfahrenswert den der Richter festsetzt. Die Festsetzung des Verfahrenswertes richtet sich nach gesetzlichen Vorschriften. Maßgeblich sind insoweit das gemeinsame Nettoeinkommen der Ehegatten und die Höhe des vorhandenen Vermögens. Das Vermögen wird mit 5 % des Vermögens über dem Freibetrag (EUR 60.000 für jeden Ehegatten und EUR 30.000 für jedes minderjährige Kind oder unterhaltsberechtigte Kind) bei der Festsetzung des Verfahrenswertes berücksichtigt. Für den Versorgungsausgleich wird für jedes Rentenanrecht für das eine Auskunft erholt wurde 10 % des zusammengerechneten Nettoeinkommens der Ehegatten als Verfahrenswert festgesetzt. Soweit eine Vereinbarung über die Folgesachen bei Gericht abgeschlossen wird, setzt das Gericht einen zusätzlichen Wert für die Vereinbarung fest.

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7. Scheidung mit einem Anwalt

Zunächst muss man darauf hinweisen, dass es einem Anwalt aus berufsrechtlichen Gründen untersagt ist zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen gleichzeitig in einem Mandat zu vertreten. Einen gemeinsamen Anwalt, also einen Anwalt der beide Parteien in einem gerichtlichen Verfahren vertritt kann es daher nicht geben. Allerdings ist es durchaus möglich, dass eine einvernehmliche Scheidung dadurch erfolgt, dass nur 1 Anwalt beauftragt wird das Scheidungsverfahren einzuleiten und durchzuführen. Oftmals wird dann auch vereinbart, dass die Kosten dieses Anwalts hälftig zwischen den Ehegatten geteilt werden.

8. Was tun, wenn der andere Ehegatte der Scheidung nicht zustimmt?

Die Scheidung ist möglich, sobald man ca. 1 Jahr getrennt gelebt hat und der andere Ehegatte der Scheidung zustimmt. Dies verhindert, dass das Gericht von sich aus prüfen muss, ob die Ehe gescheitert ist. Denn wenn beide Ehegatten vortragen, dass sie 1 Jahr getrennt gelebt haben und beide geschieden werden wollen, so wird vermutet, dass die Ehe gescheitert ist und nicht mehr wieder hergestellt werden kann. In diesem Fall wird der Familienrichter die Scheidung der Ehe aussprechen. Es stellt sich daher die Frage, wie die Scheidung erfolgen kann, wenn der andere Ehegatte der Scheidung nicht zustimmt. In diesem Fall muss der Familienrichter feststellen können, dass die Ehe der Beteiligten gescheitert ist. In der Regel wird dies zu bejahen sein, wenn der antragstellende Ehegatte erklärt, dass er nicht bereit ist die eheliche Lebensgemeinschaft fortzusetzen. Denn auch in diesem Fall ist die Ehe gescheitert und es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die eheliche Lebensgemeinschaft wieder hergestellt werden kann.

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