Beratung bei Trennung und Scheidung
Beratung Scheidung

Sorgerecht

1. Was passiert mit dem Sorgerecht bei der Trennung der Eltern?

Beide Eltern sind grundsätzlich zu gleichen Anteilen sorgeberechtigt. Sie üben die elterliche Sorge daher gemeinsam aus. Eine Trennung ändert hieran nichts. Zieht ein Elternteil aus und werden die Kinder von dem Elternteil überwiegend betreut, der weiterhin in der Ehewohnung lebt, so bestimmt dieser Elternteil über die Alltagsdinge des Kindes, wie z.B. die Schularbeiten, den Fernsehkonsum, die Freizeitaktivitäten. Gemeinsame Entscheidungen der Eltern sind nur dann erforderlich, wenn es um Angelegenheiten geht, die für das Kind von wesentlicher Bedeutung sind. Dinge von wesentlicher Bedeutung sind z.B. die Frage welche Schule das Kind besucht, ob ein längerer Auslandsaufenthalt erfolgt, oder ob eine Operation durchgeführt wird.

2. Was sind die Folgen für das gemeinsame Sorgerecht der Eltern bei der Scheidung?

Grundsätzlich verbleibt es auch bei der Scheidung bei der elterlichen Sorge beider Eltern. Etwas anderes gilt nur dann, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht für sich im Scheidungsverfahren beantragt und das Gericht dem Antrag stattgibt. Dies ist allerdings nur in Ausnahmefällen möglich (s. unten Nr. 5).

3. Regelungen zum Sorgerecht, wenn die Eltern weit voneinander entfernt leben

Eltern die nach einer Trennung in größerer Entfernung von einander leben, müssen einen Weg finden miteinander zu kommunizieren um erforderliche, gemeinsame Regelungen für die Kinder treffen zu können. Um Absprachen zu erleichtern oder weitestgehend entbehrlich zu machen, gibt es die Möglichkeit Teilbereiche des Sorgerechts (z.B. für schulische Angelegenheiten, für die medizinische und gesundheitliche Versorgung, für Angelegenheiten gegenüber Ämtern) durch eine Vollmacht auf den Elternteil zu übertragen, bei dem die Kinder leben. Dies hat den Vorteil, dass keine größeren Abstimmungen erforderlich sind und der Elternteil bei dem die Kinder leben, ohne Abstimmung, sofort handlungsfähig ist. Gleichzeitig bleibt dem anderen Elternteil das volle Sorgerecht.

4. Bedeutung des Aufenthaltsbestimmungsrecht

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist ein Teilbereich der elterlichen Sorge. Wie auch das Sorgerecht, steht daher das Aufenthaltsbestimmungsrecht den Eltern grundsätzlich gemeinsam zu. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht stellt das Recht dar über den ständigen Aufenthalt, also den Lebensmittelpunkt des Kindes/der Kinder zu bestimmen.

5. In welchen Fällen überträgt das Gericht die elterliche Sorge auf einen Elternteil?

Die elterliche Sorge wird nur auf Antrag auf einen Elternteil übertragen. Allerdings kann das Gericht auch von selbst (also von Amtswegen bei Kindeswohlgefährdung) ein Gerichtsverfahren hierzu einleiten. Das Sorgerecht kann auf einen Elternteil alleine übertragen werden, (§ 1671 Abs. 1 BGB), wenn die Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge nicht möglich ist und langfristig dem Kindeswohl schadet.

Die gemeinsame Sorge muss aufgehoben werden, wenn die Eltern keine Lösungen für das Kind/ die Kinder finden können, weil sie über viele Dinge streiten und eine Kommunikation zugunsten des Kindes/ der Kinder nicht mehr möglich ist. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl schadet. An einem Sorgerechtsverfahren wird sowohl das Jugendamt beteiligt, als auch ein Verfahrensbeistand als „Anwalt des Kindes“ vom Gericht bestellt. Das Jugendamt und der Verfahrensbeistand geben für den Richter eine Beurteilung der Lage wider, diese beiden Institutionen beraten den Richter bei der Entscheidungsfindung. Dennoch ist der Richter an die Einschätzungen des Jugendamts und des Verfahrensbeistands nicht gebunden. In schwierigen Fällen wird der Richter ein Sachverständigengutachten in Auftrag geben um darüber zu entscheiden welchem Elternteil das Sorgerecht übertragen wird.

6. Sorgerecht / Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umzug

Will ein Elternteil mit dem Kind/ den Kindern umziehen, so benötigt er hierfür, bei der gemeinsamen elterlichen Sorge die Zustimmung des anderen Elternteils.

Willigt der andere Elternteil nicht ein, so ist in der Konsequenz ein Antrag bei Gericht auf die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrecht zu stellen, zumindest aber auf Ersetzung der fehlenden Zustimmung zum Umzug durch das Familiengericht. In diesem Fall wird das Jugendamt am Verfahren beteiligt und in der Regel auch ein Verfahrensbeistand bestellt, um die Rechte des Kindes /der Kinder zu vertreten.

In den meisten Fälle erhält der umzugswillige Elternteil die Zustimmung zum Umzug durch das Gericht, bzw. das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Allerdings verlangen die Gerichte im Gegenzug eine Umgangsregelung, damit der Kontakt zum anderen Elternteil für das Kind erhalten bleibt. In Ausnahmefällen kann auch die Einholung eines Sachverständigen-gutachtens geboten sein, insbesondere wenn es um die Frage der engsten Bezugsperson des Kindes geht und die Eltern im Vorfeld annähernd im gleichen Umfang betreut haben.

Lassen Sie sich von uns beraten