Beratung bei Trennung und Scheidung
Beratung Scheidung

Guter Umgang

1. Wie kann der Umgang bei Trennung und Scheidung gelingen?

Über ein Kind sind die Eltern ein Leben lang miteinander verbunden. Wenn die Paarbeziehung endet, besteht die Elternbeziehung fort und kann nicht gekündigt werden. Elternschaft ist daher eine der intensivsten Lebensbeziehungen und das macht auf der anderen Seite Angst, wenn diese Beziehung nicht gut funktioniert.

Wir haben die goldenen Regeln wie der Umgang gut funktionieren kann hier für Sie zusammengefasst:

  1. Nicht schlecht vor dem Kind über den anderen Elternteil sprechen – auch nicht in schweren Zeiten! Es ist die Aufgabe der Eltern als den Erwachsenen, die Beziehung zum anderen Elternteil zu gestalten.
  2. Das Beste für das Kind wünschen und erreichen auch wenn dabei eigenen Bedürfnisse der Eltern zu kurz kommen und die Eltern über ihren eigenen Schatten springen müssen. Trotz Verletzungen immer wieder auf den anderen Elternteil zugehen und nicht aufhören miteinander zu kommunizieren.
  3. Wertschätzen können was der andere Teil dem Kind mitgibt und vermittelt.
  4. Das Kind wird gehört in dem was es braucht und darf sich mitteilen.
  5. Alle Hoffnungen und Erwartungen, dass der andere Elternteil doch nur wäre wie wir es haben wollten sollten losgelassen werden = den anderen Elternteil annehmen wie er ist.
  6. Mitteilen was man braucht und sich wünscht, damit der Umgang gut funktioniert.

2. Welche Bedürfnisse haben Kinder bei einer Trennung und Scheidung?

Nach Remo Largo sind die Grundbedürfnisse von Kindern folgende:
- Geborgenheit
- Zuwendung und soziale Akzeptanz
- Entwicklung und Lernen

Geborgenheit bedeutet im Kontext mit Trennung und Scheidung, dass ein Kind sich sicher fühlen und keinerlei Gewalt ausgesetzt werden sollte. Das Kind muss daher aus den Streitigkeiten der Eltern herausgehalten werden. Kinder gehen oft davon aus, dass sie die Auslöser für die Konflikte und Auseinandersetzungen der Eltern sind und belasten sich daher selbst damit.

Kinder wollen beide Eltern liebhaben dürfen und kommen in Loyalitätskonflikte wenn ihnen dies nicht möglich ist.

Einem Kind geht es gut, wenn es liebevolle Beziehungen zu seinen Bezugspersonen pflegen kann. In der Regel sind die wichtigsten Bezugspersonen die Eltern eines Kindes, so dass es für das Wohlbefinden des Kindes förderlich ist, wenn ein liebevoller Umgang zu seinen Eltern stattfinden kann.

3. Wie können Kinder bei einer Trennung bestmöglich geschützt werden?

1. Kontinuität

Für Kinder ist es wichtig, dass sich mit der Trennung nicht viel für sie ändert. Es sollte daher verhindert werden, dass sich das Umfeld ändert, Kontakt zu Freunden und Verwandten sollte so gut wie möglich weiterhin stattfinden können, oder auch verstärkt stattfinden.

2. Kindgerechte Gespräche führen

Eltern sollten mit den Kindern im Gespräch bleiben. Es genügt dabei dem Kind zu signalisieren, dass es über Gefühle sprechen darf und auch darüber was es beim anderen Elternteil anlässlich der Umgangskontakte erlebt hat. Dabei sollte dem Kind deutlich gemacht werden, dass das neue Leben des getrennten Elternteils in Ordnung ist und alle anderen Sorgen (auch z.B. materieller Art oder im Hinblick auf die zukünftige Wohnsituation) in der Hauptverantwortung der Eltern liegen und die Eltern diese Themen bestimmt bald klären werden.

3. Verlässlichkeit durch stabile Beziehung zu beiden Eltern

Für Kinder ist es äußerst wichtig auch nach der Trennung einen stabilen, regelmäßigen und damit verlässlichen Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Dies gilt vor allem für den Kontakt zu dem Elternteil, der ausgezogen ist.

4. Sicherheit durch Struktur

Für Kinder sind feste Abläufe und Rituale wichtig. Beides gibt Sicherheit, Verlässlichkeit und die Zuversicht auf eine gute Zukunft. Es ist daher wichtig, dass Kinder klare und regelmäßige Umgangszeiten haben, feste Zeiten für Besuche bei Freunden und Verwandten. Wichtig sind insoweit auch Rituale wie eine Einschlafgeschichte, der Besuch beim Italiener oder am Wochenende bei den Großeltern. Auch diese Rituale sollten so gut wie möglich fortgeführt werden.

5. Übergabe beim Umgang

Für die Kinder kann es auch sehr entlastend sein, wenn die Kinder nicht einfach ohne Gespräch vor der Wohnungstüre übergeben werden, sondern die Eltern sich unterhalten, oder auch noch miteinander ein kurzes Gespräch anlässlich einer Tasse Kaffee führen. Dies signalisiert dem Kind, dass es gut ist und befürwortet wird, dass sie nun zum anderen Elternteil gehen.

6. Klare Umgangsregelungen und feste Umgangszeiten

Klare Umgangsregelungen sind hilfreich, da das Kind genau weiß wann es den anderen Elternteil wiedersieht und sich darauf freuen kann.

7. Gute Kommunikation der Eltern

Die Eltern sollten alle wichtigen Belange der Kinder zeitnah über E-Mail, SMS oder telefonisch besprechen.

8. Keine gegenseitige Herabsetzung

Die Eltern sollten nicht schlecht über den anderen Elternteil sprechen und auch nicht vor dem Kind streiten oder diskutieren. Gleiches gilt auch für neue Partner oder die Zeit die das Kind beim anderen Elternteil verbringt. Dies ist sicher eine der schwierigsten „Übungen“.

4. Was muss ich bei dem Trennungsgespräch beachten?

Die Kinder sollten von beiden Eltern in einem Gespräch von der Trennung informiert werden. Dabei sollte die Trennung direkt angesprochen werden, ohne die Gründe für die Trennung zu benennen.

Im Gespräch sollte die Zukunft als Familie als positive Perspektive dargestellt werden und auch die Umgangsregelung vorgestellt und mit den Kindern besprochen werden. Auch die Meinung der Kinder und ihre Wünsche sollten einbezogen werden, damit Kinder sich nicht ohnmächtig fühlen wenn sie von einer Trennung der Eltern betroffen sind.

Wichtig ist es, das Gespräch mit den Kindern zeitnah zur Trennung zu führen, also wenn die Trennung bereits im Verwandten- und Bekanntenkreis kommuniziert wurde.

Inhaltlich ist es wichtig den Kindern konkret zu vermitteln wie die Zukunft aussehen wird, insbesondere wo das Kind leben wird und wie die Zeit mit dem anderen Elternteil aussehen wird. Gemeinsam sollten die Eltern überlegen, wie sie dem Kind ein schönes Leben gestalten können. Dabei spielt der Kontakt zum anderen Elternteil eine entscheidende Rolle.

5. Was ist die rechtliche Bedeutung des Umgangsrechts?

Das Umgangsrecht regelt den persönlichen Kontakt der Kinder mit dem Elternteil, bei dem die Kinder nicht dauernd leben. Auch die Großeltern können ein Umgangsrecht haben, oder auch Geschwister, oder andere enge Bezugspersonen, die bereits einen Kontakt zum Kind hatten und hieraus eine Beziehung aufgebaut haben. Das Umgangsrecht besteht unabhängig vom Sorgerecht und wird manchmal auch mit dem Sorgerecht vermischt oder verwechselt.

6. Welche Umgangsmodelle gibt es?

1. Residenzmodell

Von einem Residenzmodell spricht man, wenn das Kind z.B. bei der Mutter lebt und den Vater jedes 2. Wochenende besucht. Der Umgang über das Wochenende dauert meist von Freitag nach Kindergarten/ Schule bis Sonntagabend oder Montagmorgen. Es ist das in Deutschland meist praktizierte Modell und ist auch der tradierten Rollenverteilung geschuldet, bei der der Vater Vollzeit arbeitet, mehr verdient und die Mutter meist Teilzeit arbeitet.

Beim Residenzmodell ist es auch denkbar, dass die Wochenenden länger stattfinden, z.B. von Donnerstagabend bis Montagmorgen und dass auch unter der Woche an einzelnen Tagen eine Übernachtung stattfinden, z.B. mittwochs in der Woche, in der kein Umgang am Wochenende stattfindet. Die Eltern sind völlig frei darüber gemeinsam zu entscheiden, wie der Umgang am besten gestaltet werden soll.

Bei kleineren Kindern kann der Umgang auch so durchgeführt werden, dass der Vater/ die Mutter das Kind beim anderen Elternteil besucht und zu diesem Zweck in die frühere gemeinsame Wohnung kommt oder mit dem Kind eine Unternehmung macht, z.B. auf einen Spielplatz.

2. Wechselmodell

Vermehrt wird das Wechselmodell im Rahmen des Umgangs praktiziert, bei dem die Kinder eine Woche beim einen Elternteil und die andere Woche beim anderen Elternteil leben. Manchmal werden auch kürzere Wechselzeiten vereinbart, z.B. 4/3 Tage. Dieses Modell wird von den Eltern und vor allem von jüngeren Kindern (bis 12 Jahre) als gerecht empfunden, weil beide Eltern in gleichem Umfang Kontakt mit den Kindern haben.

Voraussetzung ist, dass die Eltern sich gut absprechen können, also eine gute Kommunikationsebene haben und einen ähnlichen Erziehungsstil oder ähnliche Ansichten zur Kindererziehung haben. Ferner sollten die Eltern nahe beieinander leben sich regelmäßig gegenseitig über die Belange der Kinder informieren und austauschen. Das Wechselmodell kann nur durchgeführt werden, wenn sich beide Eltern darüber einig sind, oder falls ein Gericht das Wechselmodell angeordnet hat.

3. Nestmodell

Bei einem Nestmodell leben die Kinder in der früheren Ehewohnung, die Eltern wohnen abwechselnd ebenfalls in der Ehewohnung und übernehmen die Betreuung und Versorgung der Kinder während dieser Zeit. Auf diesem Weg wird den Kindern das gewohnte Umfeld trotz der Trennung erhalten. Für die Eltern sind möglicherweise bis zu 2 eigene Wohnungen für die Zeiten erforderlich, in denen die Eltern sich nicht in der vormaligen Ehewohnung aufhalten. Das Nestmodell ist daher, gerade in Großstädten, kaum finanzierbar. Das Modell verlangt darüber hinaus eine gute Absprache oder Kommunikationsfähigkeit was den gemeinsamen Haushalt in der Ehewohnung betrifft, hinsichtlich von Ordnung und Sauberkeit und den erforderlichen Haushaltstätigkeiten (Waschen, Einkaufen usw.).

4. Wohnen in der Ehewohnung

Kurz nach der Trennung leben die meisten Paare noch in der ehelichen Wohnung zusammen mit den Kindern. Dort werden die Kinder abwechselnd von den Eltern betreut und versorgt. Die Eltern leben in der Wohnung getrennt, nutzen also kein gemeinsames Zimmer mehr und erbringen sich gegenseitig keine Haushaltsleistungen mehr. Dieses Zusammenleben kann auch noch bis zur Scheidung aufrechterhalten bleiben, soweit es gut funktioniert und weder die Eltern, noch die Kinder über Gebühr strapaziert.

6. Welche Fragen kommen im Zusammenhang mit dem Umgang oft auf?

Sollen wir das Kind fragen, wie lange und wie oft es beim Vater/ bei der Mutter sein möchte?

Grundsätzlich sollten die Eltern versuchen eine gemeinsame Regelung zu finden, ohne die Kinder hierbei zu befragen. Wenn allerdings festgestellt wird, dass es dem Kind nicht so gut geht, kann beim Kind nachgefragt werden, ob etwas geändert werden sollte. Je älter die Kinder sind, desto mehr sollten ihre Wünsche beim Umgang berücksichtigt werden.

Das Kind ist krank – soll es trotzdem zum Vater / zur Mutter gehen?

Hier kommt es auf den Einzelfall an. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass ein Kind mit einer Erkältung auch vom anderen Elternteil betreut wird. Ist das Kind aber wegen der Erkrankung nicht transportfähig so kann darüber nachgedacht werden, ob das Kind nicht vom anderen Elternteil besucht werden kann.

Welche Unternehmungen sind beim Umgang sinnvoll?

Gerade Väter haben oft das Gefühl, dass sie den Kindern anlässlich des Umgangs etwas Besonderes bieten müssten. Um eine gute Beziehung zu den Kindern zu gestalten sind allerdings besondere Unternehmungen nicht erforderlich. Der Kontakt im Alltag mit einem zugewandten Zusammensein ist völlig ausreichend um eine gute Eltern-Kind-Beziehung zu gestalten.

Welches Umgangsmodell ist das Richtige?

Grundsätzlich gilt, dass das Umgangsmodell gut zu den Kindern und dem Alltag der Eltern passen muss. Das Modell sollte angepasst werden, wenn Sie feststellen, dass es den Kindern nicht gut damit geht.

Wie kann der Umgang bei größeren Entfernungen gestaltet werden?

Bei großen Entfernungen zwischen den Wohnorten der Eltern ist es schwierig, dass der umgangsberechtigte Elternteil am Alltagsleben der Kinder teilhat. Für den Umgang bedeutet dies, dass die Ferienregelung etwas ausgedehnt wird und dass neben dem persönlichen Kontakt in den Ferien auch verstärkt Telefonate oder Kontakte über Messengerdienste oder Videokonferenz stattfinden. Bei Telefonaten muss überlegt werden, ob es sinnvoll ist hierfür feste Tage und Uhrzeiten zu vereinbaren. Denkbar sind Telefonate vor dem Schlafengehen zum Gute-Nacht-Sagen oder am Wochenende um über die vergangene Woche zu sprechen.

Was gilt für Kindergeburtstage und den Geburtstagen der Eltern?

Für den Kindergeburtstag bieten sich unterschiedliche Gestaltungen an. So kann der Kindergeburtstag stundenweise zwischen den Eltern aufgeteilt oder der Geburtstag beim anderen Elternteil z.B. am Wochenende nachgefeiert werden. Viele Eltern feiern den Geburtstag jährlich abwechselnd beim einen oder anderen Elternteil und ermöglichen dem anderen Elternteil am Geburtstag einige Stunden mit dem Kind. Zum Geburtstag der Eltern ist eine gleichartige Regelung denkbar, wonach das Kind stundenweise den Tag bei dem Elternteil verbringt, das Geburtstag hat. Der Geburtstag kann aber natürlich auch am Wochenende nachgefeiert werden. Gesetzliche Vorgaben gibt es für die Gestaltung von Kindergeburtstagen und Geburtstagen der Eltern nicht.

Was gilt an Feiertagen?

Die Feiertage an Weihnachten und Ostern können im jährlichen Wechsel bei beiden Eltern stattfinden. Das bedeutet, dass ein Elternteil den Heiligabend mit dem Kind feiert und der andere Elternteil ab dem 1. Weihnachtstag übernimmt. Das Folgejahr wird dies abgewechselt. An Ostern (ab Ostersonntag) wird gleichartig verfahren.

Was gilt in den Ferien?

Die Ferienzeiten (Schul- oder Kindergartenferien) werden hälftig, jährlich im Wechsel zwischen den Eltern geteilt. Dies bedeutet z.B. dass der Vater die Winterferien hat, die Mutter die Osterferien, der Vater Pfingsten, die Mutter die erste Hälfte der Sommerferien, der Vater die zweite Hälfte der Sommerferien, die Mutter die Herbstferien, die Weihnachtsferien werden aufgeteilt. Für das folgende Jahr wird gewechselt, d.h. die Mutter hat die Winterferien, der Vater die Osterferien etc. Selbstverständlich können die Oster- und Pfingstferien auch wochenweise zwischen den Eltern aufgeteilt werden.

Ist ein Kontakt zum anderen Elternteil während des Umgangs sinnvoll?

Hierzu gibt es keine generell gültige Antwort. Es kann sein, dass ihr Kind es mag, kurz mit dem anderen Elternteil während des Umgangs beim anderen Elternteil zu telefonieren. Andere Kinder fangen in diesen Situationen an den anderen Elternteil zu vermissen. Grundsätzlich gilt, dass es für die Kinder umso einfacher ist, je offener die Elternteile untereinander mit der Situation umgehen und z.B. aus dem Urlaub Fotos schicken, um den anderen Elternteil mit einzubeziehen und ihm ein gutes Gefühl zu geben.

Wie können die Übergaben am besten gestaltet werden?

Wenn man persönliche Kontakte unter den Eltern vermeiden möchte, bietet es sich an die Übergabe über Kindergarten oder Schule zu organisieren. In diesen Fällen holt ein Elternteil das Kind z.B. am Freitag von der Schule/ Kindergarten ab und bringt das Kind am Montagmorgen wieder zur Schule/Kindergarten. Gerade wenn die Trennung noch frisch ist und die emotionale Belastung noch hoch, ist dies eine gute Möglichkeit sich zu entlasten. Persönliche Übergaben sind sehr sensible Momente, da die Kinder genau beobachten, wie die Eltern sich begegnen. Wichtig ist es daher, dass sich die Eltern in Gegenwart der Kinder freundlich begrüßen, oder für das Kind zumindest erkennbar ist, dass der Aufenthaltswechsel in Ordnung ist und das Kind beim anderen Elternteil eine schöne Zeit haben darf. Wichtig ist auch ein kurzer Informationsaustausch zu aktuellen Themen, wie z.B. Gesundheitszustand, Ernährung, kein Mittagsschlaf etc. Streit oder Diskussionen vor dem Kind sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Wenn die Übergaben gut klappen und die Eltern freundlich miteinander umgehen, positiv übereinander und die Zeit beim anderen Elternteil sprechen, gibt es den Kindern Sicherheit. Übergaben und Rückgaben sollten auch pünktlich und zuverlässig stattfinden, denn dies stärkt das Vertrauen in die Kooperation der Eltern und entspannt die Übergabesituation.

Literaturempfehlung: Isabell Lütkehaus und Thomas Matthäus: Guter Umgang für Eltern und Kinder, dtv, 19,50 €

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